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Anne Rothäuser über Satire, Fake News und Medienerziehung.

WeShowIT Podcast #7 mit Anne Rothäuser
(Der Postillon, WDR, RTL, Sat1, NDR)

In der siebten Ausgabe unseres Podcasts dürfen wir Anne Rothäuser begrüßen. „Anne wer?“, wird sich vielleicht der eine oder andere fragen, dem der Name auf Anhieb nichts sagt. Wer aber das Gesicht von Anne Rothäuser sieht, der wird sofort Bescheid wissen. Bekannt ist die Schauspielerin und Moderatorin nicht nur durch ihre Auftritte im WDR, bei RTL oder Sat1. Vor allem durch die Webseite „Der Postillon“ und die „POSTILLON24 Nachrichten“, die sie zusammen mit Thieß Neubert sowohl im Internet als auch live moderiert, ist sie einem großen Publikum bekannt. Das Interview mit Anne, die unter anderem mit dem Webvideopreis ausgezeichnet wurde, führt wie immer Pierre, die Stimme von #WeShowIT.

Wer ist Anne Rothäuser?

Sie ist Schauspielerin und Moderatorin, bezeichnet sich selbst aber eher als Dienstleiterin im Eventbereich. Wie so einige andere aus der Branche hat sie keine klassische Ausbildung in dem Bereich, sondern wurde im Kölner Wartesaal entdeckt. Sie wurde dort von einer Agentin angesprochen, ob sie nicht Lust hätte als Living Doll zu arbeiten. Ermutigt von einem Freund hat sie sich das Ganze einmal angeschaut und wurde prompt genommen. Dadurch hatte sie die Möglichkeit weltweit zu reisen und viele spannende Orte und Personen kennenzulernen.

Die beruflichen Wurzeln

Die Idee von Anne war tatsächlich einmal einen seriösen Beruf zu erlernen. Durch ihr Interesse an den Naturwissenschaften kam sie auf die Idee Chemie zu studieren, hat aber vorher noch eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin, kurz PTA, gemacht, da das angestrebte Studium doch eine große Nummer war. Wären dieser Zeit kamen dann die Jobs in der Agentur uns so stand die Entscheidung an, welchen Zweig sie jetzt weiterverfolgen sollte. „Nehme ich das doch jetzt mit, als PTA kann ich noch immer arbeiten“ war dann der Gedanke von Anne, sodass ihre Karriere ihren Gang nahm. Sie hatte in den goldenen 90ern das große Glück, dass sie auch ohne beruflichen Plan ihren Weg ging.

Mission Colonia

Neben ihren Tätigkeiten als Moderatorin ist sie auch mit dem Kleinkunstprojekt „Mission Colonia“ unterwegs. Im Hinterzimmer einer Kölner Brauerei, dem Adenauer-Zimmer, spielt sie mit zwei Kolleginnen vor kleinem Publikum an Stehtischen und Barhockern ihr eigenes Programm. Dieses erarbeitet sie zu Hause und hat sich extra dafür einen eigenen künstlerischen Bereich geschaffen. So gibt es einen kreativen und einen buchhalterischen Schreibtisch.

New Work und Selbstvermarktung

Wie viele andere Künstler fing auch ihre eigene Vermarktung mit einer eigenen Webseite an. Ihr Herz lag an einem animierten Würfel, aber im Laufe der Zeit sollte dann doch eine neue Seite an den Start gehen. Diese hat sich aber auch ein wenig verzögert, da bei der Agentur, die diese Seite erstellen sollte, zum wiederholten Male eingebrochen wurde. Aber auch das Problem konnte gelöst werden.

Auf einmal Moderatorin

Anne hat neben ihren Auftritten als Schauspielerin auch den einen oder anderen Job als Moderatorin angenommen. Auch wenn sie es nie gelernt hatte, wurde sie immer öfter gebucht und war auf einmal mittendrin. Erfolgreich war sie spätestens in dem Moment, als sie einen Bühnengast so gelockert hat, dass er im Gegensatz zu vorherigen Vorträgen sehr gelöst war. Doch wie sieht es aus, wenn ethisch fragliche Themen moderiert werden soll, wie zum Beispiel die Entlassung von vielen Mitarbeitern? „Das mache ich nicht!“ Diese klare Haltung hat sich aber auch erst im Laufe der Zeit entwickelt, da Anne erst eine Moderation gespielt hat, bevor die Sicherheit entwickelt hat. Vieles kommt auch durchs Learning by Doing und so konnte sie sich auch positionieren, wenn es auf einmal Änderungen im Programmablauf geben sollte. Auch wenn es vielleicht die Aufgabe der Agentur wäre, so setzte sie sich durch und stand ihren Mann bzw. ihre Frau. Entsprechend wurde sie auch von Kunden nach ihrer Meinung gefragt.

Actionlesung und Postillon

Zurück zu Mission Colonia: Alle drei Mädels decken alle Aufgaben bei einer Vorführung ab, vom Erstellen der Zeichnungen für das Bühnenprogramm über das Aufbauen der Bühne und Tontechnik bis hin zum Kartenverkauf am Einlass wird alles selbst gemacht. Der absolute Gegensatz ist dann das Touren mit dem Postillon. Anne sieht es als puren Luxus an, dass es eine kleine Crew gibt, die sich um alle Belange kümmert. So wird sie zum Soundcheck, zur Aufführung und wieder ins Hotel gefahren und dann weiter in die nächsten Städte. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass sie bei der „Gazette“ anfangen konnte? Auch hier wurde sie wie schon bei den vorherigen Jobs quasi einfach entdeckt. Genauer gesagt war es ihr Kollege Thieß Neubert, der auf den Postillon aufmerksam wurde und dann den Macher dessen angesprochen hat, ob dieses Format nicht auch als Video denkbar wäre. Über dieses Format ging es dann auch irgendwann auf die Bühne und das Programm wurde live aufgeführt.

Fake News, Hate Speech und Facebook

Gerade der Postillon bietet sich an, um bewusst oder unbewusst falsch verstanden zu werden. Im Podcast sprechen Pierre und Anne sprechen über den schmalen Grat, den es zwischen Satire und Fake News gibt und wie es von den Lesern aufgefasst werden kann. Vor allem bei Facebook ist oft zu sehen, dass es durchaus Menschen gibt, die den Postillon für bare Münze nehmen. Hinzu kommt noch, dass es für Anne Rothäuser auch immer schwieriger wird sich privat auf Facebook zu bewegen, weil sie gerade durch die Auftritte mit Postillon24 immer mehr Freundschaftsanfragen bekommt. Deswegen hat sie sich auch dazu entschieden auf der einen Seite eine Fanpage zu erstellen, auf der sie alles zum Postillon und Mission Colonia teilt. Auf der anderen Seite hat sie ihr privates Profil für ihre Freunde, wobei sie selbst da anfänglich nicht wirklich wusste, ob bzw. wofür sie das Profil brauchen würde. Die Frage mit der Fanpage treibt sie auch bei ihrer Webseite und, denn was interessiert die Leute? Nur den Postillon oder nur Mission Colonia oder doch beides?

Privatsache

Anne Rothäuser hat zwei Kinder, was an sich nichts Besonderes, im Zeichen der heutigen Digitalisierung aber dennoch eine spannende Sache ist. Das jüngere der beiden, die Tochter, hatte nämlich auf ein Smartphone lange Zeit überhaupt keine Lust. Viele ihrer Freunde hingen nur an ihren Geräten, was sie sehr verstörend fand. Aber bei zwei freiberuflichen Elternteilen kann so ein mobiles Telefon durchaus eine sinnvolle Sache sein. Deswegen war es Anne auch ein Bedürfnis sich bei einer Infoveranstaltung der Polizei in der Schule nicht nur über die Aktivitäten der Kinder zu informieren, sondern konnte auch für die eigenen Seiten viel Wissenswertes mitnehmen. In diesem Zusammenhang ist es ihr auch wichtig, dass die Kinder eine ordentliche digitale Erziehung bekommen. Da sie selber noch ohne Smartphone und Computer aufgewachsen ist, sollen ihre Kinder als Digital Natives mit einer entsprechenden Bildung ausgestattet werden.

Financial and Quality Times

Wie sieht es mit den Finanzen aus? Die Frage, ob sie in Startups oder ähnliches investieren würde, konnte Anne durchaus verneinen. Sie hat im Gegensatz zu machen Kollegen schon frühzeitig auf einen ordentlichen Finanzplan geachtet, was ihr als Freiberuflerin auch wichtig ist. Ebenfalls wichtig ist ihr auch die Zeit, die sie nicht online verbringt. So hat sie sich auch bewusst dazu entschieden sehr spät ein Smartphone zu nutzen und dieses dann auch noch möglichst wenig. Statt aufs Telefon nach der Uhrzeit zu schauen, sucht sie sich andere Möglichkeiten, wie vorbeiziehende Kirchturmuhren während einer Zugfahrt oder Uhren in Autos, wenn sie in der Stadt unterwegs ist.

Comedy Queen

Gibt es eigentlich auch Personen, Gruppen oder Shows, die eine Comedy Queen wie Anne Rothäuser lustig findet? Ja, sagt sie und nennt zum Beispiel Herrn Schröder, unter anderem bekannt aus seinem Soloprogramm „Der Korrekturensohn“, der ebenfalls auch beim Postillon auftaucht. Ebenfalls lachen kann sie über „die Feisten“, die als betagte Herren ihr Publikum zum Lachen bringen. Aber wie sieht es mit Inspiration aus? Hat Anne Rothäuser da Personen, zu denen sie aufschaut? Nein, so die schnelle Antwort. Zumindest nicht, was das Berufliche angeht. Wohl aber im Privaten. Dort gibt es gute Freunde, von denen sie lange zehren kann, wenn sie sich mal treffen. Oder von ihrem Vater lässt Anne sich inspirieren und erwähnt ganz nebenbei, dass ihre Eltern beide bereits 90 Jahre alt und noch sehr fit sind.

Wie geht’s weiter und welche Empfehlungen gibt Anne Rothäuser?

Wer sich in der heutigen Zeit dem Job der Moderation widmet, geht schon mit einem ganz anderen Selbstverständnis an die Sache ran, meint Anne. Der Nachwuchs weiß bereits sehr gut, wo und wie man sich zu präsentieren hat und wie man sich am besten vernetzt. Sie ist in die ganze Sache anders reingewachsen und hatte das Glück, dass sich viele Jobs über Empfehlungen ergeben haben. Das wäre heute zwar auch noch wichtig, aber die Grundlagen wären eben andere. Mit entsprechender Motivation kann einiges gelingen, wobei auch gute Moderatorenschulen sehr hilfreich sein können.

Hier nochmal alle Themen des WeShowIT-Podcast mit Anne Rothäuser im Überblick:

00:00 > Intro
02:22 > Vorstellung Anne Rothäuser
09:40 > Ohne Plan
10:29 > Neue Energie
13:43 > Homeoffice
15:30 > Selbstvermarktung im Netz
19:25 > Als Moderatorin auf Events unterwegs
24:03 > Ethik bei der Moderation
27:03 > Grenzen in der Moderation stecken
31:40 > Was hat sich im Künstlerdasein verändert?
32:42 > Actionlesung
36:19 > Der Postillon
40:35 > Fake News
42:13 > Warum Anne Rothäuser Facebook nutzt
44:59 > Neue Generation
46:49 > Kinder und digitale Medien
50:32 > Medienkompetenz und Digital Natives
54:11 > Neue Plattformen und Medien
55:23 > Mehrgleisig fahren: Finanzen
57:22 > Smombie und freie Zeit
1:00:15 > Über wen kann Anne Rothäuser lachen?
1:02:23 > Welche Menschen inspirieren Anne Rothäuser?
1:04:40 > Empfehlung für die Jobs von Anne Rothäuser
1:08:40 > Entwicklung des Postillons und Aktualität
1:09:25 > Worüber wurde heute gesprochen
1:10:02 > Welche Frage hätte Andrea Rothäuser gerne beantwortet?
1:11:29 > Für wen ist das Interview interessant?
1:12:56 > Outro